Merlin (Mäährlin), das Schaf

Genau genommen ist unser kleiner Merlin ein Lämmlein. Er ist jetzt gerade mal eine Woche alt. An seinem 3. DSCN8867Lebenstag hat mein kleiner Bruder, der jetzt zum Landwirt wird, bei meiner Mutter auf dem Handy angerufen. „Ein Lamm… keine Milch… ob wir ihn aufziehen wollen?“ Meine Mutter sagt erst mal lange ähhhm… und dann „ja“. Merlin’s Mutter hat ihn nicht mehr als ihr Baby akzeptiert, weil sie wohl ausversehen eine Nacht getrennt waren. Deswegen hat er auch nicht mehr bei ihr Muttermilch trinken dürfen und deswegen muss Merlin nun mit der Flasche und Ziegenmilch aufgezogen werden. Am gleichen Tag zog Merlin bei uns in einen großen Pappkarton in unserer Küche ein. Schon am nächsten Morgen beschloss er, dass er nicht im Pappkarton bleiben möchte. Mein Vater fand ihn bereits fröhlich im Haus herumspazierend vor. Sein „Stall“ hat sich nun auf unsere geräumige Wohnküche beschränkt, denn dort kann man super den Boden wischen. Seitdem gewöhnen wir uns daran, dass da so ein Schaf herum steht, herumläuft, in der Ecke liegt und schläft oder blökt und uns verfolgt, unsere Zeitungen ankaut und die Spielsachen der Kinder, Walnüsse übeDSCN9083r den Boden stupst und überall fröhlich Pfützen verteilt. (Der Wischmob steht nun immer parat!)

Ein Schaf in der Küche

An den Anblick eines Schäfchens in der Küche muss ich mich noch immer gewöhnen. Irgendwie passt das nicht zu dem, was man so kennt. Aber es ist einfach nur unglaublich süß. Merlin ist so klein, so natürlich und so genügsam. Er legt sich zum Schlafen unter meinen Stuhl beim Frühstück, oder in seine liebste Ecke. Er schläft und chillt dort, bis er Hunger bekommt. Dann blökt er laut. Wenn man nicht reagiert, geht er selbst auf die Suche und kaut einfach an allem, was er so findet. Die Schleichtiere der Kinder schmecken toll, die Plastiktüte am Mülleimer raschelt so schön und die Zeitungen und Pappkartons verändern sich, wenn man sie lange genug einspeichelt.

  • Merlin unser Lämmchen
    Merlin unser Lämmchen
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Die ersten Tage im Leben eines Lämmchens

An den beiden ersten Tagen hier bei uns, wollte unser kleines abgemagertes Lieblings-Lämmchen lieber nicht in die Kälte im Garten. Oder zumindest nicht allzu lange. So war er meistens der erste von uns, der wieder ins Haus wollte. Gehört ein Schaf nicht raus? Frische Luft? Los Merlin, komm! Inzwischen hat er sich daran gewöhnt und rennt gerne mit uns im Kreis. Er macht richtige kleine Bocksprünge und hat auch im Garten viiiele Interessante Knabbermöglichkeiten entdeckt. Zapfen, Kräuter, vertrocknete Pflanzenreste, Holz und vieles mehr. Das Stroh, dass wir ihm dort zurecht gelegt haben, ist wohl auch ganz ok.

Milchzähne

Merlin hat anfangs genau genommen noch nicht so richtig gekaut, denn er hatte noch gar keine Zähne. An seinem 6. Lebenstag hat er seinen ersten Milchzahn rechts vorne bekommen. Inzwischen hat er schon zwei Zähnchen. Aber er braucht auch noch keine Zähne, denn eigentlich DSCN8928trinkt er nur Milch. Frische Ziegenrohmilch aus einer Nuckelflasche vom Bauernhof auf dem er geboren wurde. Er bekommt Ziegenmilch statt Schafmilch, weil die Ziegen dort sowieso gemolken werden, die Schafe aber nicht. Die Schafe stehen normalerweise den ganzen Tag auf der Weide, oder schlafen in ihrem Stall auf der Weide. Die Jungtiere trinken direkt bei ihrer Mutter. Außer die Mutter lässt sie nicht trinken, was wohl bei Schafen immer mal wieder vorkommt. Merlins Schwester ist anscheinend schon viel größer und Wohlgenährter. Ich habe mal gehört, dass man eigentlich so ziemlich jedes Säugetier mit so ziemlich jeder Säugetiermilch groß ziehen kann. So wenig Unterschiede gibt es bei der Muttermilch der verschiedenen Tiere!

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Alltag mit Schaf

Wenn Merlin gerade Milch getrunken hat, treibt ihn die frische Energie an. Er springt wie wild herum uns folgt jedem, der durch den Raum geht. Das ist der perfekte Moment, um sich mit ihm im Garten auszutoben. Danach ist er müde und sucht meistens seine Lieblingsecke im Esszimmer auf, wo er sich hinter Stühlen ganz in die Zimmerecke verdrückt. Dann schläft er erst mal eine Runde. Oder er chillt, denn er hat nicht immer die Augen geschlossen und schaut uns zu bei allem, was wir so machen.

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Wenn er wieder aufwacht, drückt ihn wohl die Blase und er hinterlässt massig Pfützen überall im Raum. Genau genommen hat er aber auch dafür seine Lieblingsplätze. Wir rennen ihm mit dem Wischmob hinterher, denn bisher verging noch kein Tag ohne dass jemand von uns nasse Socken bekam. Nach dem Pieseln gibt es eigentlich nur noch einen Gedanken: Fressen! Wo ist meine Milch und wieso muss ich noch warten?

Laut Anleitung zum Großziehen eines Lammes, darf er weder zu viel auf einmal trinken, noch zu oft, noch zu viel an einem Tag. Wenn er zu viel bekommt, kann es wohl passieren, dass die Milch dem Wiederkäuer in den falschen Magen läuft. (Der Labmagen läuft über und die Milch oin die anderen Mägen hinein). Das wiederum führt anscheinend zu Durchfall und Blähungen, was wir natürlich vermeiden wollen.

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Lieblingsecke

So gibt es regelmäßig eine Diskussion, mein Vater will dass das arme Tier mehr bekommt, mein Bruder will, dass er sich an einen 4-Stunden Rhythmus gewöhnt und liest die Anleitung vor und wir anderen machen meistens, was wir wollen 🙂

Nachts schläft unser kleiner Mäährlin zum Glück durch… wie schön!

Was wird aus Merlin?

Das ist eine sehr gute Frage. Die nächsten Wochen wird er wohl hier DSCN9122bei meinen Eltern wohnen und großgezogen werden. Aber dann wird es ein Problem geben. Denn Merlin ist ein kleiner Bock und darf aus Gründen der Inzuchtgefahr nicht zu seiner Schafmutter und ihrer Herde auf die Weide. AUßER er wird kastriert… In unserem Garten kann er wohl leider auch nicht für immer bleiben. Wahrscheinlich wäre das für ein Herdentier auch ganz schön einsam.

Was passiert denn sonst mit einem kleinen Bock? Tja, schon mal Lamm im Restaurant bestellt? Dann weißt du nun, was du dort serviert bekommst.

Ein Tier mit der Flasche groß zu ziehen, und es dann mit 8 Monaten zum Schlachter zu fahren,DSCN8869 ist für uns natürlich irgendwie unmöglich. Zumal wir uns selbst fast alle vegetarisch oder sogar vegan ernähren. Somit werden wir ganz bestimmt eine andere Lösung finden (müssen). Aber mir bricht es mal wieder das Herz. So ein unglaublich süßes Wesen! Mit seiner Stupsnase, seinem weichen Wollköpfchen und seinen überdimensional langen Beinen und Hufen. Wer isst denn so was??? Was ist mit all den anderen kleinen Baby-Tieren, die als Lamm, Ferkel oder Kalb auf dem Teller landen? Dass ich so was noch nie gegessen habe, tröstet mich leider nur ein bisschen. Ich wünsche mir so sehr, dass alle Menschen aufwachen und wieder SEHEN, was sie konsumieren. Ein Tier ist eine Lebewesen. Es ist liebenswert und lebenswert. Es auf unserer Welt, um zu leben und ganz bestimmt keine Ware, die man einfach so quälen und töten darf.

Alles Liebe,

Eure Lilith

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